Nebel

Ich zerbreche an der Einsamkeit. Schlimmer noch - wie es scheint, werde ich von meinem Unvermögen, etwas gegen diese zu tun, umschlungen ...

Nebel

Ich blättere durch meine Aufzeichnungen und finde eine kleine Notiz, die ich vor einigen Jahren getätigt habe. Sie handelt von einem Wiedersehen.

Doch eigentlich gab es vor dem Wiedersehen ein Sehen, danach ein Auseinandergehen und nach dem Auseinandergehen gab es Schmerz. Der kam jedoch erst ein paar Jahre später.

Meine Gedanken schleifen. Sie schleifen zu einer Bekannten - denn sie als Freundin zu bezeichnen erscheint zu groß. Sie ist vor einiger Zeit wieder in meinem Leben aufgetaucht, nachdem sie zufällig bei mir daheim Silvester feierte. War sie zwar nicht eingeladen - denn weg war sie eigentlich schon aus meinem Leben - so kam es doch, dass sie bei mir feierte. Die Schwester einer Freundin, nein - doch eher auch einer Bekannten - die eingeladen war. So kam also auch sie mit ihrem Kind.

Der Abend, die Nacht war gut. Mal ausnahmsweise ein angenehmes Silvester, mit einem vollen Haus und so viel Leben an einem Ort, wo sonst nur Stille herrscht. Es waren noch die Tage an denen wir noch nicht so alt waren, an denen wir aber auch nicht mehr jung waren. So um die 35 Jahre. Das Haus war gerade fertig gebaut, die Feiern waren noch wild. Die Scharr der "Freunde" noch groß. Es war ein lauter Abend mit stillen Momenten. Mit Diner for One kurz vor Mitternacht. Auch der Tag darauf war gar nicht so schlecht.

Sie leistet Überstunden, die sie nicht bezahlt bekommt. Und das Kind, welches sie hat, das Kind, welches sie gestohlen hat und alleine erzieht, ist in dieser Zeit im Kindergarten. Das Kind ist dort dann wohl mindestens neun oder zehn Stunden.

Auf den ersten Blick erscheint mir das, was sie dem Kind angetan hat, als unmenschlich und unglaublich selbstsüchtig. Dann, beim dritten Gedankengang und erneutem Umdenken, komme ich plötzlich drauf, dass es eigentlich vollkommen dem entspricht, was die Natur ihr vorgegeben hat. Es ist unmenschlich, aber nicht unnatürlich. Oder - es ist unmenschlich, aber natürlich. Wobei der Satz sinnlos ist. Denn der Mensch ist ein Teil der Natur. Es kann also nur menschlich und natürlich sein.

Er ist ja unglaublich vernarrt in Dich. Was hast Du bloss mit ihm gemacht? Ist das mit allen Kindern bei Dir so?

Nein, nicht mit allen. Was soll ich sagen - machmal passt es einfach.

Die Fahrt nach hause gestaltet sich dunkel. Gestaltet sich neblig. Der Sonntag gestaltet sich ebenfalls neblig. Ich schlafe, nach einem Haufen Besuch und nachdem ich um 19 Uhr etwas gegessen habe, gegen 20 Uhr auf der Couch ein. Um 21 Uhr wache ich wieder auf und gehe direkt ins Bett. Als um 4:30 Uhr der Wecker klingelt, ist es immer noch dunkel. Eine Stunde später im Auto fahre ich durch die dunkle Nacht, durch den dunklen Wald, zur Arbeit.

Selbst später noch - als ich bereits angekommen bin - ist es weiterhin neblig.